holzernte 289-188Die Aufhebung des Euromindestkurses ist für die Ostschweizer Wald- und Holzwirtschaft existenzbedrohend. Die Nadelrundholzpreise müssen zwischen 10 bis 15% gesenkt werden. Russland gewinnt an Marktpräsenz in China. Gründe dafür sind im Währungszerfall des Rubels zu finden. Der Staatsforst in Baden-Württemberg darf kein Nadelstammholz mehr für kommunale und private Waldbesitzer vermarkten.

 

Internationale Holzmärkte
Klausner Holz nimmt nach Fertigstellung seines ersten US-Sägewerkes in Florida den nächsten Standort in North Carolina in Angriff. Die Investitionskosten werden auf 110 Mio. US-Dollar geschätzt. Mit dem Bau seiner Sägewerke trifft Klausner auf eine stark wachsende Schnittholznachfrage. Von Januar bis November haben die USA 27 Mio. m3 Nadelschnittholz importiert. Dies sind +11% gegenüber dem Vorjahresvergleich.


Russland gewinnt an Marktpräsenz in China. Gründe dafür sind im Währungszerfall des Rubels zu finden. Mit der starken Entwertung der russischen Währung verbilligen sich die Schnittholzlieferungen nach China. Mit diesem enormen Preisvorteil werden bestehende Kunden verdrängt und das Marktgefüge umgepflügt. Skandinavische Lieferanten weichen vermehrt auf die Levantestaaten aus.

Deutschland
Der Staatsforst in Baden-Württemberg darf kein Nadelstammholz mehr für kommunale und private Waldbesitzer vermarkten. Das Bundeskartellamt zwingt das Land damit zu einer Neuordnung der Forstverwaltung. Das Bundeskartellamt kommt dem Land aber trotzdem entgegen. Demzufolge ist eine völlige Zerschlagung der Forststruktur im Land verhindert worden. Die vom Bundeskartellamt geforderten Veränderungen betreffen nur den Staatsforst, für die privaten und kommunalen Waldbesitzer, also für 76 Prozent der Waldfläche, bleibe eine gemeinsame forstliche Betreuung und Holzvermarktung möglich, erläuterte Minister Bonde. Bis 2017 soll die neue Struktur umgesetzt werden. Die Folgen für das Personal, das zwischen dem neuen Staatsforstbetrieb und den Landratsämtern neu aufgeteilt werden muss – immerhin handelt es sich um rund 2800 Beschäftigte – seien aber noch nicht abzuschätzen. Zudem gebe es die Sorge, dass der Nachschub an Holz schwieriger werde, wenn es nicht mehr aus einer Hand vermarktet werde. Angestossen wurde dieser Rechtsstreit von der Sägewerksindustrie. Ob diese nun über das Ergebnis glücklich sind,  ist fraglich. Die Lücke schliessen könnten nun Organisationen wie die Holzhandelsgenossenschaft InSilva, welche schon seit einigen Jahren auf privatrechtlicher Basis erfolgreich Holz von Kommunen und Privatwaldeigentümern vermarkten.

Die Firma Pollmeier in Creuzburg hat den Entscheid über die Wiederinbetriebnahme des Buchensägewerkes in Malchow (Mecklenburg) vertagt. Eine Entscheidung soll erst im 2. Quartal 2015 erfolgen. Das im 2011 stillgelegte Sägewerk hat eine Kapazität von 380`000fm. Vor der Schliessung wurde mit einer Auslastung von nur noch 30% gearbeitet.

Österreich
Fichten - Trämel B/C Mischpreis Stärkeklasse 2a-3b (100,87 €/fm -1.8%)  Dies entspricht (100.- CHF/fm). Der Preis für das Hauptsortiment ist diesen Monat geringfügig zurückgegangen. Tanne Trämel B/C Mischpreis (93,16 €/ fm). Dies entspricht (93.- CHF/fm). Der Preis für die Tanne ist somit im Vergleich zum Vormonat nochmals geringfügig gestiegen.
Für die Tiroler Sägewerke ist die Schweiz seit Jahrzehnten ein wichtiges Einkaufsgebiet. Auch sie trifft der Entscheid der SNB über die Aufgabe des Euromindestkurses massiv. Das Eidgenössische Rundholz hat sich auf einen Schlag um 17% verteuert. Wie die Holzindustrie damit umgeht ist noch unklar. Preisverhandlungen laufen, gestalten sich aber aufgrund der Volatilität des Devisenmarktes sehr schwierig.

Italien
Die italienische Regierung hat den Mehrwertsteuersatz für Pellets kurz vor Weihnachten von 10 auf 22% erhöht. Mit 307 Ja- und 116 Nein-Stimmen wurde das Gesetz verabschiedet, berichtet der Holzkurier in seiner neusten Ausgabe. Im Rom rechnet man mit Mehreinnahmen von 96 Mio. €/Jahr. Italien ist mit einem Jahresverbrauch von 3.5 Mio. Tonnen, Europas grösster Pellets Verbraucher.

Schweiz

Der Markt spielt gegen die SNB
Im Grunde haben Europäische Nationalbank (EZB)  und die Schweizer Nationalbank (SNB) dieselben Ziele. Sie versuchen, die Wirtschaft in Schwung zu bringen, die "Deflation" zu bekämpfen und das Finanzsystem zu stabilisieren. Leider machen das beide unter anderem mit der Schwächung ihrer Währung. Trotz Aufgabe des Mindestkurses besteht weiterhin  eine prekäre Bindung an den Eurokurs, da die EU der grösste Handelspartner der Schweiz ist. Dies schafft die paradoxe Situation, dass die SNB quasi gegen die EZB antritt. Letztere stärkt den Schweizer Franken, in dem sie den Euro drückt und die SNB versucht dies mit allen Mitteln zu vermeiden. In der vergangenen Woche hat die SNB massiv am Markt  interveniert und Euro im Wert von über  32 Milliarden gekauft. Eine gelinde gesagt sehr unglückliche Situation. Sogar unheimlich, wenn man sich vorstellt, was das für die Bilanzsumme der SNB bedeutet. Um diesen paradoxen Quasiwährungskrieg beenden zu können, müssen die Währungshüter auf eine Erholung der europäischen Konjunktur hoffen. Die Zeichen dafür stehen zwar immer noch nicht richtig gut, aber auch nicht mehr ganz so schlecht wie im Spätsommer 2014, als ein Abgleiten in die Rezession befürchtet wurde.

Auszug aus der Medienmitteilung  der schweizerischen Holzmarktkommission (HMK)
Die Holzmarktkommission empfiehlt, die aktuellen Rundholzpreise für die nächsten zwei Monate um 10% zu senken. Trotz Ungewissheit, wo die Währungsreise hin geht, trägt die HMK damit den unmittelbaren Erfordernissen Rechnung. Waldwirtschaft, Forstunternehmer und Sägewerke stehen vor einer grossen Herausforderung.  Die Holzmarktkommission hatte an ihrer Sitzung vom 21.1.2015 die schwierige Aufgabe, die Auswirkungen der schlagartigen Frankenaufwertung auf den Rund- und Schnittholzmarkt zu beurteilen. Niemand kann sagen, wann und auf welchem Niveau sich der Frankenkurs zum Euro einpendelt. Die anstehenden Beschlüsse der Europäischen Zentralbank lassen befürchten, dass der Euro längere Zeit unter 1.10 CHF liegen könnte.

Ostschweiz
Die Ostschweiz ist als direkter  Anstösser zu Deutschland und Österreich stärker von der Frankenaufwertung betroffen als andere Regionen. Dies hat auch grosse Auswirkungen für die Waldwirtschaft. Der Rundholzverkauf ist und bleibt die wichtigste Einnahmequelle der Waldbesitzer. Mit der Aufhebung des Euromindestkurses drücken nun 3 Faktoren auf den Rundholzpreis. Faktor 1 ist der Wechselkurs. Verkauft ein Waldbesitzer sein Holz im angrenzenden Ausland erhält er zwar gleich viel Euros, aber der Erlös in CHF liegt -17% tiefer. Die Ostschweiz produziert mehr Rundholz, als verarbeitet wird. Rund 1/4 der anfallenden Produkte finden in der Region keinen Abnehmer, Beispiel Laubholz oder Starkholz in minderer Qualität. Diese Mengen können nicht einfach reduziert werden, da die Pflege der Schutzwälder laufend sichergestellt sein muss. Faktor 2; Holz kennt keinen Zollschutz, wie dies teilweise bei landwirtschaftlichen Produkten der Fall ist. Angebot und Nachfrage können frei spielen. Der Markt kann nicht reguliert werden. Faktor 3; Das ausländische Schnittholz wurde auf einen Schlag 17% günstiger. Die Schnittholzimporteure rechnen mit hohen Margen und Gewinnen und können dem Markt trotzdem 10-15% billiger beliefern. Dies führt dazu, dass die Schweizer Sägewerke schnell Preisrücknahmen im Umfang von 10 bis 15% tätigen müssen, um ihr Schnittholz weiterhin zu Marktpreisen absetzen zu können.
Diese Preissenkungen kommen zu einem relativ schlechten Zeitpunkt. Der Holzbau und die gesamte Wirtschaft laufen gut und der Schnittholzbedarf ist sehr hoch.  Eine solche oder ähnliche Situation hatte die Branche noch nie zu bewältigen. Rezepte gibt es kaum. Es wird nun in den nächsten Wochen und Monaten versucht, das Angebot an der Nachfrage der Holzabnehmer anzugleichen, damit keine oder nur kurzfristige Engpässe in der Rundholzversorgung entstehen. Auch auf der Verarbeiter Seite ist noch vieles unklar. Wie viele Kunden weiterhin auf Schweizer Holz setzen und einen gewissen Mehrpreis in Kauf nehmen ist nicht abschätzbar. Auch die Entwicklung auf der Währungsseite ist ungewiss.  

Falls die aktuelle Währungssituation längere Zeit anhält, sind Strukturbereinigungen auf der Verarbeiter Seite zu befürchten. Gerade die kleinen regionalen Sägewerke sind verlässliche Partner für die Waldbesitzer. Die kurzen Transportdistanzen und direkten Beziehungen werden geschätzt. Aber auch die Firma Holzwerk Lehmann AG in Gossau ist ein wichtiger Abnehmer von Massenprodukten weit über die Ostschweiz hinaus.

Die Holzmarkt Ostschweiz AG hat in den letzten zwei Wochen mit Ihren Kunden verhandelt und bereits wieder Preise für alle Sortimente vereinbart. Die Preisrücknahmen liegen je nach Sortiment und Qualität im vereinbarten Rahmen zwischen  10 bis maximal 15%. Preisrücknahmen beim Nadelholz von mehr als 15% müssen somit nicht hingenommen werden.

Die Kommissionen zum Schweizerischen und Ostschweizer Holzmarkt haben letzte Woche getagt und versucht erste Einschätzungen und Richtlinien zur aktuellen Situation herauszugeben. Es muss nun wieder schnell eine stabile Preislage gefunden werden, damit die Waldbesitzer wissen was sie für ihr Rundholz bekommen.

Medienmitteilung Holzmarktkommission Ostschweiz vom 26. Januar 2015
Die Aufhebung des Euromindestkurses ist für die Ostschweizer Holzindustrie existenzbedrohend und sie bringt Waldeigentümer, Forstbetriebe und Forstunternehmer in grosse finanzielle Schwierigkeiten. Die Marktpartner verständigen sich darauf, dass die Richtpreisempfehlungen für Nadelrundholz um bis zu 15% gesenkt werden müssen.
An ihrem ausserordentlichen Treffen vom 23. Januar in Winterthur ging es den Holzmarktpartnern der Ostschweiz um die schwierige Aufgabe auf die Folgen der Aufhebung des Euromindestkurses zu reagieren.

Die Holzmarktkommission der Ostschweiz empfiehlt:
-    Nadelrundholz, welches ab 26. Januar 2015 in den Verkauf gelangt, kann mit einem Abschlag bis maximal 15% gehandelt werden. Basis bilden die Richtpreisempfehlungen vom September 2014.
-    Beim Laubholz betragen die Abschläge 10 bis 20%.
-    Vor dem 26. Januar 2015 abgeschlossene Verträge zwischen Waldeigentümern, Forstunternehmern und Sägewerken sind gemäss den Grundsätzen von Treu und Glauben zu respektieren. Vereinbarte Mengen sind zu vereinbarten Preisen zu übernehmen resp. auszuliefern.

Aus dem Entscheid der Ostschweizer Holzmarktkommission ergeben sich Differenzen zu den Empfeh-lungen der nationalen Holzmarktkommission HMK vom 21. Januar 2015, die sich wie folgt begründen:
 
-    Am 22. Januar 2015 hat die Europäische Zentralbank EZB beschlossen bis im Herbst 2016 monatlich 60 Milliarden Euro in den Euroraum zu pumpen. Eine weitere Aufwertung des Schweizer Frankens, dürfte die Folge sein. Die Ostschweiz ist mit ihrer unmittelbaren Nähe zu Österreich und Deutsch-land stärker vom Import und Export der Waren betroffen als andere Regionen der Schweiz.
 
-    Die Holzmarktkommission hat mit ihrer Entscheidung, für Waldeigentümer eine Preisstabilität bis Ende März ausgehandelt. Diese Stabilität sollte etwas Ruhe in den volatilen Markt bringen.
 
-    Die Marktpartner zeigen sich bereit, bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen die Empfehlung bis zum Ende der Schlagsaison aufrecht zu halten.

-    Waldeigentümern wird bei diesen sinkenden Preisen empfohlen, Schlagkalkulationen auf der Basis von alten Preisen kritisch zu prüfen und Holzschläge erst nach Absprache mit den Holzkäufern auszuführen. Beim Verkauf von Holz ist auf präzise Preisverhandlungen und Abmachungen bei den Zahlungskonditionen zu achten.

Die Holzmarktkommission ist der Auffassung, dass die Politik nun gefordert ist, um die dramatischen Auswirkungen des SNB-Entscheides für die einheimische Wald- und Holzwirtschaft abzufedern. Insbesondere sind die Bemühungen zum vermehrten Einsatz von Schweizer Holz zu verstärken.


Laubholz
Beim Laubholz ist die Situation einiges schwieriger, da es in der Schweiz nur noch wenige Verarbeiter von Laubholz gibt. Der Grossteil des Laubholzes muss exportiert werden. Diese Geschäfte sind aufgrund der Transportdistanzen und Ländersituationen einiges komplexer. Bislang gehen wir von ersten Einschätzungen von Preisrücknahmen zwischen 15 bis 20% aus. Der Mengenbedarf der Firma Beerli Holzwaren AG, dürfte nach ersten Einschätzungen, für die Ostschweiz etwa gleich hoch bleiben. Die Wertholzsubmissionen Kaltbrunn, Henau und Buchs werden im normalen Rahmen abgewickelt. Auch hier werden tiefere Erlöse aufgrund der Wechselkurssituation erwartet.


Industrieholz
Bei den Papier- und Industrieholzwerken besteht dieselbe Situation wie bei den Sägewerken. Perlenpapier und Kronospan senken ihre Einkaufspreise per 1 Februar 2015 um -15%. Bei allen Industrieholz-werken ist der Bedarf gut und es kann laufend geliefert werden. Da die verschiedenen Werke unterschiedliche Längen benötigen, unbedingt vor dem Aufrüsten Kontakt mit der Holzmarkt Ostschweiz AG aufnehmen.

 

dringende Empfehlungen

Geplante Holzschläge und Sortimente frühzeitig mit Ihrem Förster besprechen.
Frisches Nadelrundholz auf den Markt bringen, sofern die Übernahme gesichert ist und die Preise den Empfehlungen entsprechen.
Industrieholz unbedingt sauber sortieren nach 1. und 2. Klasse (Schleifholz/Plattenholz).